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ns1:europeana-2022022_11088_DD8DEC6B_F236_4530_B80E_FD8EE4A4FA68	rdfs:label	"14 Fragen an Dr. Adenauer" .
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	ns3:creator	<https://jpsearch.go.jp/entity/ncname/Nuschke,_Otto> ;
	ns3:description	"Description: 14 Fragen an Dr. Adenauer [] Von Otto Nuschke [] Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union und Stellvertreter des Ministerpr\u00E4sidenten [] Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Union und Stellvertreter des Ministerpr\u00E4sidenten richtete an den Bonner Regierungschef folgende 14 Fragen, deren Beantwortung von allen Deutschen in Ost und West gefordert wird. [] [] Herr Bundeskanzler! [] In der Sitzung des Bundestages vorn 27. September 1951 haben Sie zum Appell der Volkskammer vom 15. September Stellung genommen. Als Voraussetzung zur Durchf\u00FChrung gesamtdeutscher freier Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung sind zwar von Ihnen 14 Punkte formuliert worden. Zahlreiche deutsche Menschen aus Ost und West vermissen indessen in Ihrer Rede die einfache Erkl\u00E4rung, da\u00DF Sie pers\u00F6nlich bereit sind, Ihre Regierung und den Bundestag zu veranlassen, unges\u00E4umt Verhandlungen mit der Regierung, der Volkskammer oder sonstigen Vertretern der Deutschen Demokratischen Republik aufzunehmen. Mit steigender Sorge verfolgt das deutsche Volk auch alle Vorg\u00E4nge, die sich im Bereiche Ihrer Regierung sonst vollziehen. [] In meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union mache ich mich zum Dolmetscher dieser Besorgnisse und richte an Sie die folgenden 14 Fragen, deren klare Beantwortung durch Sie geeignet w\u00E4re, den Weg zu offener und ehrlicher gesamtdeutscher Aussprache zu erleichtern. [] Ist das ein geeintes Europa? [] 1. Sie erkl\u00E4ren als oberstes Ziel der Politik Ihrer Regierung die Wiederherstellung der deutschen Einheit in einem freien und geeinten Europa. Sind Sie der Meinung, da\u00DF das Europa des Stra\u00DFburger Europarates ein geeintes Europa ist? Dieses Europa h\u00F6rt an der Werra auf und schlie\u00DFt die Deutschen jenseits dieses Flusses und die unzweifelhaft europ\u00E4ischen L\u00E4nder Albanien, Jugoslawien, Bulgarien, Ungarn, Rum\u00E4nien, die Tschechoslowakische Republik, Polen und die gro\u00DFe Sowjetunion aus. Schweden und die Schweiz stehen abseits. Territorial und bev\u00F6lkerungsm\u00E4\u00DFig umfa\u00DFt das Europa des Stra\u00DFburger Europarates bestenfalls ein Drittel von Europa. Teilen Sie nicht den Eindruck vieler Deutscher, da\u00DF es sich hier nicht um ein geeintes Europa, sondern um eine kaum verh\u00FCllte amerikanische Kulisse f\u00FCr den Nordatlantikpakt handelt? [] \u00DCber gesamtdeutsche Beratungen [] 2. Zweifellos richtig ist Ihr Satz, da\u00DF die deutsche Einheit aus der freien Entscheidung des gesamten deutschen Volkes kommen mu\u00DF. Diese Entscheidung kann wesentlich gef\u00F6rdert werden durch sofortige gesamtdeutsche Beratungen. Es gibt keine Frage, \u00FCber die in gesamtdeutscher Beratung nicht gesprochen werden k\u00F6nnte, also auch \u00FCber die 14 Punkte, die Sie Ihrer Rede eingef\u00FCgt haben. Warum aber wollen Sie die Entscheidung hinausz\u00F6gern durch die Einsetzung neutraler, internationaler Kommissionen, die bei Ihnen und bei uns die Voraussetzungen pr\u00FCfen sollen f\u00FCr die Abhaltung freier Wahlen? Sie wollen die Beschl\u00FCsse Ihres Bundestages den Vereinten Nationen zur Stellungnahme zuleiten, die Ihre Zust\u00E4ndigkeit f\u00FCr deutsche Fragen \u00FCberhaupt erst beschlie\u00DFen m\u00FC\u00DFten. Sie wollen ferner die vier Besatzungsm\u00E4chte unterrichten. Es wird Ihnen nicht entgangen sein, da\u00DF die Sowjetunion bereits durch eine unmi\u00DFverst\u00E4ndliche Erkl\u00E4rung des Armeegenerals Tschujkow ihre Zustimmung zu dem Schritt des Ministerpr\u00E4sidenten Grotewohl gegeben hat. W\u00E4re es nicht ein leichtes f\u00FCr Sie, in Ihren gegenw\u00E4rtigen Besprechungen mit den drei Hohen Kommissaren der Westm\u00E4chte unverz\u00FCglich eine gleiche zustimmende Erkl\u00E4rung herbeizuf\u00FChren? [] Ist das Demokratie? [] 3. Halten Sie es mit den Gesetzen der Demokratie f\u00FCr vereinbar, wenn \u00FCber lebenswichtige Entscheidungen unter Ausschlu\u00DF der \u00D6ffentlichkeit verhandelt wird. Gleich uns sind die Millionen von westdeutschen Menschen der \u00DCberzeugung, da\u00DF eine Wiederaufr\u00FCstung der Kriegsvorbereitung dient. Haben Sie die Absicht, vor der Wahl einer deutschen Nationalversammlung das deutsche Volk in den Fragen der Wiederaufr\u00FCstung vor vollendete Tatsachen zu stellen? [] Ist das christlich? [] 4. Ist Ihr Vorgeben christlich, wenn Sie deutsche junge Menschen ohne jede Volksbefragung von vornherein einem fremden General f\u00FCr fremde Zwecke zur Verf\u00FCgung stellen, obwohl die Bekennende Kirche im Westen und starke Kr\u00E4fte Ihrer eigenen Partei - unter F\u00FChrung Ihres fr\u00FCheren Innenministers Dr. Dr. Heinemann - die Forderung einer Volksbefragung unter st\u00E4rkster Kritik Ihrer Politik vertreten? [] Sind Sie der Meinung, da\u00DF es m\u00F6glich und f\u00FCr einen christlichen Politiker vertretbar ist, auf wirtschaftlichem, politischem und sogar milit\u00E4rischem Gebiet ein fait accompli zu schaffen, ohne R\u00FCcksicht auf die wirkliche Stimmung der Bev\u00F6lkerung, und grundlegende Entscheidungen autokratisch vorwegzunehmen, die einer k\u00FCnftigen Verfassunggebenden Nationalversammlung vorbehalten bleiben? [] Ist das deutsch? [] 5. Ist es deutsch, wenn ohne die Zustimmung Gesamtdeutschlands Ihre Regierung nach dem Beitritt zum Marshall-Plan sich am Schuman-Plan, der f\u00FCr f\u00FCnfzig Jahre auf das Eigentumsrecht an den deutschen Bodensch\u00E4tzen und der Grundstoffindustrie verzichtet, beteiligt? [] Ist das Gleichberechtigung? [] 6. Inwieweit haben Sie dem in Washington beschlossenen Pleven-Plan zugestimmt, der deutsche Truppen ohne eigenen Befehlshaber und ohne eigene Versorgungskader mit Munition und Verpflegung dem Oberbefehl Eisenhowers unterstellt? [] Ist das Souver\u00E4nit\u00E4t? [] 7. K\u00F6nnen Sie mit gutem Gewissen von einer deutschen Gleichberechtigung sprechen, wenn die Westm\u00E4chte in ihren Vorbehaltsklauseln sich ein Einspruchsrecht gegen alle wichtigen Entscheidungen Ihrer Regierung vorbehalten? Der Westberliner \"Telegraf\" teilt mit, da\u00DF die Vorbehalte der Alliierten \"weitgehende politische Einschr\u00E4nkungen f\u00FCr die Souver\u00E4nit\u00E4t der Bundesrepublik mit sich bringen\". Das gleiche Blatt behauptet, da\u00DF Sie bereit seien, \"s\u00E4mtliche von den Hohen Kommissaren f\u00FCr Deutschland abgeschlossenen Vertr\u00E4ge\" anzuerkennen, ebenso wie die Berechtigung der Westm\u00E4chte, im Falle von inneren Unruhen \"die gesamte Polizeigewalt in Westdeutschland zu \u00FCbernehmen\", die Industrie der Kontrolle der Westalliierten zu unterstellen, ihnen auch das Recht zuzubilligen, Produktionsauflagen anzuordnen, und schlie\u00DFlich seien Sie damit einverstanden, da\u00DF in Zukunft \"alle Verhandlungen der Bundesrepublik mit dem Osten nur mit ausdr\u00FCcklicher Zustimmung der Alliierten oder durch die Alliierten selbst gef\u00FChrt werden k\u00F6nnen\". Sind diese Mitteilungen des Westberliner Blattes Tatsache? Antworten Sie bitte, Herr Bundeskanzler! [] Warum wollen Sie keinen Friedensvertrag? [] 8. Haben Sie jemals bei Ihren Unterredungen mit den Hohen Kommissaren der tiefen Sehnsucht des Volkes nach einem Friedensvertrag Ausdruck gegeben? Haben Sie gefragt, warum in aller Welt allein dem deutschen Volk ein Friedensvertrag vorenthalten bleibt, wo man doch jetzt - wenigstens formal - Japan einen Friedensvertrag gegeben hat, wo man Italien jetzt eine Revision seines Friedensvertrages gew\u00E4hren will? Welche Gr\u00FCnde sind es, die die USA veranlassen, Deutschland einen Friedensvertrag zu verweigern? [] 9. Haben Sie bei Ihren Unterhandlungen, insbesondere mit dem Hohen Kommissar McCloy, jemals die Frage aufgeworfen, ob etwa die USA den Friedensvertrag deshalb ablehnen, weil im Falle kriegerischer Verwicklungen mit dem Osten f\u00FCr den amerikanische n Durchmarsch und Vormarsch v\u00F6lkerrechtliche Schwierigkeiten entstehen k\u00F6nnten? Unser Volk sehnt sich nach Frieden. Das furchtbare Verh\u00E4ngnis eines dritten Weltkrieges h\u00E4ngt wie eine schwere Gewitterwolke \u00FCber uns und der Welt. Warum gibt man uns keinen Frieden und keinen Friedensvertrag? [] Wer hat Deutschland gespalten? [] 10. In einer Rede vor der \"Jungen Union\" haben Sie die Sowjetunion beschuldigt, eine \"Politik des geteilten Europa\" zu treiben. Wer hat Deutschland geteilt und Europa zerrissen? Waren es nicht die Westm\u00E4chte, die nach den gescheiterten Friedenskonferenzen von Moskau und London sich allein, ohne die Sowjetunion, in London zusammenfanden und jene \"Empfehlungen\" verfa\u00DFten, die in Wirklichkeit Befehle waren und die von Ihnen, Herr Bundeskanzler, insofern ausgef\u00FChrt wurden, als Sie in den Grenzen der drei Westzonen einen deutschen Sonderstaat errichteten und die Teilung Deutschlands und die Zerrei\u00DFung Europas durch die Wahl des Bonner Sonderparlaments sanktionierten? Wollen Sie diesen historischen Ablauf bestreiten? [] Wer ist der Aggressor? [] 11. Warum, Herr Bundeskanzler, behaupten Sie st\u00E4ndig, da\u00DF von der Sowjetunion her Angriffe drohen? Selbst der bayerische Justizminister Dr. Josef M\u00FCller von der CSU erkannte an, da\u00DF die Politik der Sowjetunion nicht aggressiv ist. Ihr fr\u00FCherer Innenminister Dr. Dr. Heinemann bekundete, da\u00DF keine Anzeichen f\u00FCr einen beabsichtigten sowjetischen Angriff vorhanden sind, und der Dekan Weber in Stuttgart pr\u00E4gte das gute Wort, da\u00DF man Hitlers Testamentsvollstrecker mit einem Kriege gegen den Osten und die Sowjetunion werden w\u00FCrde. Wie aber verh\u00E4lt sich die offizielle amerikanische Politik gegenw\u00E4rtig? Amerika steht in Korea. Es hat den Termin f\u00FCr den Abzug seiner Truppen von den Philippinen vers\u00E4umt. Es verhindert durch seine Flotte in Formosa die Einf\u00FCgung dieser Insel in den staatlichen Bereich Volkschinas, obwohl Amerika auf der Konferenz von Kairo seine Unterschrift daf\u00FCr gegeben hat, da\u00DF Formosa an China zur\u00FCckfallen soll. Die USA schlie\u00DFen den Nordatlantikpakt, der eine verzweifelte \u00C4hnlichkeit mit Hitlers Antikominternpakt hat, die USA verlangen die Remilitarisierung Westdeutschlands und Japans, sie verbinden und verb\u00FCnden sich, ohne R\u00FCcksichtnahme auf ihre Alliierten England und Frankreich, mit Franco, und sie unterst\u00FCtzen Tito mit Waffen. Die Vereinigten Staaten wenden nahezu siebzig Milliarden Dollar f\u00FCr eigene R\u00FCstungszwecke und f\u00FCr die Unterst\u00FCtzung ihrer Satelliten in der ganzen Welt auf. Glauben Sie wirklich, da\u00DF das um der Verteidigung willen geschieht? [] \u00DCber einige Ausreden [] 12. In Ihrer Rede vor dem Bundestag werfen Sie die Frage auf: \"Was bedeuten Beratungen mit Kommunisten?\" Nun, es wird Ihnen nicht unbekannt sein, da\u00DF alle Nachkriegsvertr\u00E4ge seitens der Westm\u00E4chte mit der kommunistischen Sowjetunion abgeschlossen worden sind, da\u00DF Roosevelt und Truman, da\u00DF Churchill und Attlee mit den obersten Repr\u00E4sentanten der kommunistischen Sowjetunion verhandelt haben, da\u00DF die Friedensvertr\u00E4ge mit Italien, Bulgarien, Ungarn und Rum\u00E4nien gemeinsam mit den Vertretern der kommunistischen Sowjetunion abgeschlossen wurden. Sie sind von der Sowjetunion peinlichst gehalten worden. Nicht zuletzt das entscheidende Potsdamer Abkommen, das die kapitalistischen M\u00E4chte systematisch durchl\u00F6chern und insbesondere durch die Gr\u00FCndung Ihres westdeutschen Sonderstaates gebrochen haben! M\u00FCssen Sie erst auf Grund dieser Tatsachen einr\u00E4umen, da\u00DF \"die Kommunisten\" zuverl\u00E4ssigere Vertragspartner sind als die Amerikaner? [] 13. Es ist Ihnen nicht unbekannt, da\u00DF die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik eine Zusammenfassung aller in der Deutschen Demokratischen Republik vertretenen Parteien darstellt, in unserer Volkskammer sitzen neben den Vertretern der SED die Abgeordneten der CDU, der LDP, der NDPD, der Demokratischen Bauernpartei, und es gibt bei uns auch eine Fraktion der SPD. Daneben allerdings haben wir auch Vertreter der gro\u00DFen Massenorganisationen, nicht zuletzt der Frauen und der Jugend. Wollen Sie vielleicht alle diese Vertreter der Volkskammer, die hinter dem Volkskammerappell vom 15. September 1951 stehen, f\u00FCr Kommunisten erkl\u00E4ren? [] Warum wird eine wichtige Frage verschwiegen? [] 14. Warum hat das Bonner Bundesparlament \u00FCber den zweiten Teil unseres Vorschlages, \u00FCber die Frage des beschleunigten Abschlusses eines Friedensvertrages mit Deutschland, v\u00F6llig geschwiegen? Warum haben Sie, Herr Bundeskanzler, dar\u00FCber kein Wort verloren? Warum hat auch der Sprecher der sogenannten Opposition kein Wort von einem doch wirklich notwendigen Friedensvertrag gesagt? Warum hat Ihre Bonner Presselenkung die Zeitungen ersucht, die Wendung aus der Rede Max Reimanns, in der von der Kriegsgefahr die Rede war, nicht abzudrucken? Warum verschweigen Sie unseren westdeutschen Br\u00FCdern und Schwestern die unbestreitbare Tatsache, da\u00DF eine westdeutsche Wiederaufr\u00FCstung die Kriegsgefahr aufs ernsteste heraufbeschw\u00F6rt? Warum erkl\u00E4ren Sie, Herr Bundeskanzler, angesehene M\u00E4nner, die f\u00FCr eine Neutralisierung Deutschlands eintreten, f\u00FCr Dummk\u00F6pfe oder Verr\u00E4ter? Ist es denkbar, da\u00DF in unserem Zeitalter der Demokratie Fragen totgeschwiegen werden, die das Dasein und den Bestand der Nation aufs tiefste ber\u00FChren? Wie ist es m\u00F6glich, da\u00DF verantwortliche Politiker am Kern der eigentlichen deutschen Probleme vorbeireden? [] Antworten Sie, Herr Bundeskanzler. Das ganze deutsche Volk wird Ihnen f\u00FCr r\u00FCckhaltlose Offenheit dankbar sein! [] [] Die Fragen Otto Nuschkes sind die Fragen aller Deutschen an Dr. Adenauer. Dr. Adenauer mu\u00DF deshalb antworten! Weil wir aber wissen, da\u00DF ohne Verst\u00E4ndigung der Deutschen untereinander keine Einheit und kein Friedensvertrag zustande kommen, unterst\u00FCtzen wir mit aller Kraft den Appell der Volkskammer zur Einberufung einer gesamtdeutschen Beratung. [] Die Einberufung einer gesamt deutschen Beratung entspricht den Lebensinteressen des gesamten deutschen Volkes. [] Deutsche an einen Tisch!" ,
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